Klettertechnik lernen – Wie fühlt sich das an?

Von Techniktrainerin Rike

Die meisten Menschen, denen ich beim Klettern und in meinen Kursen begegne, wollen in irgendeiner Form „besser klettern“. Was dann oft folgt, kennen wahrscheinlich viele: YouTube-Videos schauen, Trainingspläne ausarbeiten, jeden Handgriff optimieren, sich immer neue Ziele setzen – und sich irgendwann fragen, warum sich das Klettern trotzdem nicht so anfühlt, wie man es sich vorgestellt hat.

Wenn ich dann nachfrage, was „besser“ eigentlich heißt, geht es erstaunlich oft um etwas ganz anderes, als nur in den nächsten Grad zu kommen: sich selbstsicher an der Wand bewegen, in einen Flow kommen, sich stark oder elegant fühlen. Aber wenn es uns beim Klettern eigentlich um ein gutes Körpergefühl und ein schönes Erlebnis geht – warum reden wir so oft über Leistung und Erwartungen?

Mit dieser Frage im Hinterkopf gebe ich seit ca. einem Jahr die Technikkurse im Magic Mountain. Und dabei ist mir etwas aufgefallen: Egal, wie gut jemand klettert – Grundlegenden Probleme sind sich oft erstaunlich ähnlich. Natürlich verändert sich die Komplexität der Herausforderung mit dem Schwierigkeitsgrad. Aber in den Grundzügen ähneln sich die Situationen: Wir fallen unerwartet aus der Wand, kommen nicht an den nächsten Griff, verstehen die Route nicht oder verlieren schneller Kraft, als uns lieb ist. Für jedes dieser Probleme gibt es meistens mehrere mögliche Lösungen. Die uns dann natürlich erst hinterher einfallen.

Es lohnt sich daher auf jeden Fall, unseren “Werkzeugkasten” mit verschiedensten Techniken zu füllen. Doch manchmal ist es umso schwerer zu wissen, welches Werkzeug zu welcher Baustelle passt. Ich kann mir hundert Klettervideos anschauen und mir jede existierende Technik ganz genau erklären lassen und am Ende trotzdem nicht wissen, wann mir das eigentlich in meiner Route hilft. Ich kann mich aber auch darauf einlassen, herauszufinden, wie sich eine Bewegung anfühlt, statt nur zu lernen, wie man sie ausführt. Und plötzlich verstehe ich vielleicht sogar, was die Routenschrauberin mir mit der Route sagen wollte.

Denn unser Körper kann ziemlich viel, wenn wir ihm die Gelegenheit geben, Dinge auszuprobieren. Eine Technik kann an einer Stelle der Gamechanger sein und uns an einer anderen komplett blockieren. Und jede Technik kann sich für eine Person leicht und kraftvoll anfühlen und für eine andere überhaupt nicht funktionieren. Da hilft nur: Ausprobieren, neugierig sein, reinfühlen – so oft es geht!

„Besser klettern“ bedeutet für mich heute deshalb nicht automatisch, schwere Routen zu klettern, sondern offen dafür zu sein, wann sich das eigene Klettern gut, kraftvoll, leicht oder selbstsicher anfühlt.